Wisniewski Naturbilder - Das besondere Foto

Bussardmilan - der Vogel mit dem Hammerschlag

Wenn man an den Gebrauch von Werkzeugen bei Vögeln denkt, sind es in der Regel der Spechtfink der Galápagos-Inseln und der Schmutzgeier, die einem einfallen. Im Inneren Australiens lebt eine Vogelart, die ebenfalls "Werkzeuge" benutzt - der Bussardmilan (Hamirostra melanosternon), englisch: Black-breasted buzzard-kite. Dieser Vogel "soll angeblich (?) Emueier mit einem Stein öffnen, den er aus der Luft darauffallen lässt oder mit dem Schnabel daraufschlägt" (Grzimek, 1970, S. 348).

Dass dieser Vogel tatsächlich Eier mit einem Stein aufschlägt, habe ich 1998 im kleinen Zoo in der Nähe von Alice Springs in Zentralaustralien selbst beobachten und sogar fotografieren dürfen. Dort lebte ein unausgefärbter Bussardmilan, der nachmittags regelmäßig "Vorstellungen gab".
Er wurde in die Arena getragen, dann wurde ihm ein künstliches Ei vorgelegt. Nach kurzer Zeit nahm der Vogel einen bereit liegenden Stein in den Schnabel und schleuderte ihn mit beträchtlicher Kraft auf das Ei.
Wie man auf dem ersten Foto sehen kann, hat er bei dieser Tätigkeit sogar seine "Schutzbrille" aufgesetzt; er hat seine Nickhaut vor die Augen gezogen, um sie vor möglichen Eischalen- oder Steinsplittern zu schützen. Zwei, drei Schnabelhiebe benötigte er, dann hatte er das Kunstei "zertrümmert" und konnte an das Fleischstückchen im Innern gelangen.
Ich glaube nicht, dass der gesamte Ablauf dieses Verhaltens nach den Regeln des operativen Konditionierens antrainiert wurde. Ich bin sicher, dass das natürliche, angeborene Verhalten, Vogeleier mit Hilfe von Steinen aufzuschlagen, Voraussetzung für diese "Tierdressur" ist.

Grzimek nennt den Bussardmilan übrigens "Haubenmilan", bei anderen deutschen Autoren heißt er "Schwarzbrustbussard", eine wörtliche Übersetzung des im Australischen für die Art üblichen Namens "Black-breasted buzzard". Die Art gehört jedoch eindeutig zu den Milanen und müsste daher im Englischen folgerichtig "Black-breasted buzzard-kite" heißen. Der Name Bussardmilan ist dem Standardwerk der Vogelnamen entnommen, Wolters, H. E. (1982, S. 80). So viel zur Arbeit der Systematiker.







Literatur:
Grzimek, B. (Hrg.) (1980): Grzimeks Tierleben. Bd. 7, Vögel 1. München.
Pizzey, G. (1997): The Graham Pizzey & Frank Knight Field Guide to the Birds of Australia. Sydney.
Wolters, H. E. (1982): Die Vogelarten der Erde. Hamburg, Berlin.